Westpfalz am Limit: Frauenhäuser berichten von Überbelegung und Wohnungsnot
Westpfalz am Limit: Frauenhäuser berichten von Überbelegung und Wohnungsnot
29. April 2026
Plätze fehlen, Schutz wird zur Frage von Wohnraum und ZeitKaiserslautern. Die Frauenhäuser in der Westpfalz schlagen Alarm: Mit nur rund 17 Aufnahmeplätzen für Schutzsuchende reicht die Kapazität bei weitem nicht aus, während die Zahl häuslicher Gewalt steigt. Betroffene Frauen und ihre Kinder finden immer seltener einen sicheren Übergang in eine eigene Wohnung, weil der lokale Wohnungsmarkt kaum bezahlbare Optionen bietet.In der Region arbeiten drei Einrichtungen am Limit: Das Frauenhaus in Kaiserslautern mit etwa zehn Plätzen strebt eine Erweiterung an, in Pirmasens sind die sechs Familienzimmer fast durchgehend belegt, und das Frauenhaus im Donnersbergkreis verfügt nur über wenige Plätze plus zwei Übergangswohnungen. Die Folge sind längere Aufenthalte in Schutzunterkünften und teils improvisierte Lösungen, weil ein Auszug in eine eigene Wohnung nicht möglich ist.Wohnungsnot als Verstärker von GewaltFachkräfte sehen den angespannten Wohnungsmarkt als Risikofaktor: Ohne Aussicht auf bezahlbaren Wohnraum bleiben viele Frauen in toxischen oder gefährlichen Beziehungen, statt einen Neuanfang zu wagen. Yvonne Rothenberger vom Frauenhaus im Donnersbergkreis bringt es auf den Punkt: «Viele Frauen können sich nicht lösen, weil es keine bezahlbaren Wohnungen gibt.»Hinzu kommt ökonomische Gewalt: Frauen werden häufig mit Verträgen belastet, für die sie später haften, was Überschuldung und Abhängigkeit fördert. Betroffene, die auf Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, haben nach Angaben der Einrichtungen besondere Schwierigkeiten, weil die Genehmigung von Wohnungskosten oft zu lange dauert und Vermieter nicht warten.Regionale Initiativen und dringende ForderungenDie Frauenhäuser versuchen, Schutzsuchende über Freunde, Verwandte oder andere Einrichtungen unterzubringen, doch das ist nicht immer möglich, insbesondere wenn Frauen durch Arbeit oder Betreuungsverpflichtungen an ihren Wohnort gebunden sind. In einzelnen Fällen kam es zu Überbelegungen, zuletzt mussten im Donnersbergkreis zwei Frauen vorübergehend in einem Zimmer gemeinsam untergebracht werden.Als Sofortmaßnahmen suchen die Träger aktiv nach neuen Räumen und appellieren an Kommunen und Kreisverwaltungen, die Wohnungsfrage stärker in den Blick zu nehmen und verlässlichere Unterstützungsstrukturen für Betroffene zu schaffen. Das Frauenhaus im Donnersbergkreis hat zudem öffentlich nach preiswerten Wohnungen gesucht, die den Vorgaben lokaler Jobcenter entsprechen.Die Lage in der Westpfalz zeigt exemplarisch, wie eng Opfer- und Gewaltschutz mit bezahlbarem Wohnraum verknüpft sind. Solange neue Wohnungen fehlen, bleiben Schutzplätze knapp und die Gefahr für betroffene Frauen und Kinder erhöht.
Der Bericht stützt eine Nachricht von: swr.de
